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Flurnamen rund um Pinnow (von Ewald Krüger)

Sie sind ein ausserordentlich wichtiger Bestandteil der heimatlichen Gemarkung, Zeugen aus längst vergangenen Epochen bringen Dinge ans Licht, die oft geheimnisvolle, seltsam klingende Laute und Wortsilben beinhalten, oft sagenumwobene Urstände wieder ins Blickfeld rücken, mancherlei aussagen über die Mentalität früherer Siedler oder Besitzer von Feld-, Wald-Grundstücken, geheimnisvolles und kaum glaubhaftes fast wie verzaubertes und verwunschenes ahnen lassen, Urreste längst vergangener Sprachen und Volksbräuche wach werden lassen. Aber sie gehören zum Volksgut eines Dorfes, einer Stadt, eines Einzelhofes, und unsere Heimat und Landschaft wäre um vieles ärmer, wenn es sie nicht gäbe.

Mir sind von Pinnow eine Reihe solcher Bezeichnungen, die auch auf den Gemeindeflurkarten amtlich eingetragen waren, noch in Erinnerung geblieben. Roter Strumpf, Langer Berg, Schäferberg, Dreiblattsloch, Mergelkuhle, Zinnsee, Zinngraben, Fließ oder Fleit, Kallies, Grandbruch, Weges Berg, Zinnvorwerk, Zamborster Weg, Briesenitzer Weg, Büschken, Strusenitz mit Hexenkuhle, Sibberbrück, Galgenberge, Brandschonung, Denkmal und nördlich der Pinnower Gutsherrschaft Wegners Berg (Dieser Sandhügel kurz vor dem Zinnsee, dort die höchste Erhebung, gehörte nicht zur Mühle).

Dorfsee, Zinnvorwerk, Mühlenwiese, Mühlenberg, Schulmösse, Kleine Mösse, Hühnerberg, Lemkes Fichten oder Dannfichten wie Onkel Albert (Dobberstein) sie immer nannte, Hasenfier, Mösse, Zarnebruch, Zickbusch, Dorfanger, Schmiedeland usw.  

Das Dreiblattsloch gehörte zu Krügers, existiert nicht mehr, ist 1930 zugeschüttet worden und später aufgeforstet worden. Es war ein Areal etwa 2 Morgen groß, in einem Talgrund, reiner Torf mit wunderbarer Flora und Fauna. Das Wiesendreiblatt war die Charakterpflanze, daher der Name.  

Sibberbrück, eine Unterführung durch einen Talgrund des Briesenitzer Weges, auch bei großen Trockenzeiten ein ewig quelliges Fleckchen im Gelände, im Frühjahr aber erster Sammelpunkt aller laichenden Froscharten, Kröten, Salamander, im Winter ein Zufluchtsort für diese Tiere, weil er nie zufror.

Denkmal, ein mit einer Tafel versehener Findling in den Galgenbergen, alte Buchen und Kiefern, wo der Graf von Bassewitz, gefallen 1915, seinen letzten Hirsch geschossen hat.

Das Büschken, ein ca. 10 Morgen umfassendes Sumpf- und Moorgelände, aufgeforstet mit Erlen und Tannen, Birken, Weiden, Pappeln, dicht wie eine Mauer, aber im Innern mit ein paar Sandinseln, bestanden mit Heidekraut. Hier hatte sich seit den 90er Jahren (ab ca. 1892) zum ersten Mal wieder Rotwild eingefunden, das hier Standwild wurde, sich sehr stark vermehrte, aber auch Zuzug bekam aus den großen Staatsforsten in der Teufelsheide bei Groß-Born, seit 1918 etwa allenthalben auftauchte, auch im Bauernwald heimisch wurde, sehr zum Ärger und Neid der Pinnower Gutsherrschaft.

Mit Wegners Berg ist ein Schiksalsschlag verbunden, der in die Familie von Ludwig Nitz im Sommer 1928 eingriff. Der damalige Sommer, einer der heißesten seit Menschengedenken, brachte viele Gewitter mit sich. Es war sowieso sonderbar, das alle Gewitter aus Westen oder Nordwesten sich reichlich mit gewaltigen Platzregen und Donnerschlägen austobten. Bei den anderen galt diese Regel nie. Sie wurden immer als gefährlich betrachtet, weil sie infolge landschaftlicher Zustände (Seen, Bachläufe, Hügelketten) als sogenannte Trockengewitter oft tagelang sich quälten, mit riesigen schwarzen Wolkenmassen, ungeheuren und vielen grellen Blitzen mit gewaltigen Donnerschlägen in Erscheinung traten. Gelang es ihnen über eine solche Sperrzone voranzukommen, gab es im Dorf immer Ängste. Dann war die Hölle los, ob am Tag oder noch schlimmer nachts. Alles stand auf, wir wurden aus den Betten geholt, alle Familienangehörigen saßen im großen Wohnraum, meist 2-3 Stunden lang, bis sich die Unwetter ausgetobt hatten. Ich habe als Kind oft erlebt, das meine Mutter dann still mit gefalteten Händen dasaß und leise betete. Stand man morgens auf, waren alle Senken und Geländefalten sowie Gräben voller Wasser. Oft sah man von uns aus, wie am Tag ein Blitz heruntersauste, genau in die Sandkuppe an Wegners Berg. Warum? Es gab dort nichts als fliegenden, weißen Sand.

Es muss 1928 gewesen sein. Bei Gewitter wurde der Berg gemieden. Ich weiß nicht, weshalb Onkel Gustav Nitz damals im Juli bei einem solchen aufziehenden Gewitter von seinem Knecht Mist auf den Plan hinter dem Berg fahren ließ. Jedenfalls trug es sich zu, das der junge Mann hinkam, ablud, den Pferdewagen nach Hause lenkte und genau auf der Kuppe von einem Blitz bei solch einem Trockengewitter erfasst wurde. Beide Pferde tot, nach dem Unwetter fand ihn jemand bewußtlos vor den Zinnseeabbauten.

Auch die Unwetter, die von Südwesten aus über die Jastrower Berge kamen, hatten es in sich. Es dauerte lange, bis die Hügelbarriere nach Pinnow hin überwunden war. Oft schlug der Blitz in die Bauernberge ein, oft in dieselben. Desgleichen in eine Birke, die, von Pinnow aus gesehen, unmittelbar keine 100m vor der Einbiegung in die Zippnower-Jastrower Chaussee auf der rechten Seite stand. Sie hatte an der Westseite immer einen ca. 1 m langen Riss, von Blitzschlägen herrührend, der immer saftete, bei der Sommerhitze in Gärung geriet und somit Sammelplatz für alles fliegende Insekten- und Schmetterlingsvolk als Saufkneipe funktionierte und florierte. Nie habe ich soviele Käferarten, Bienen, Hummeln, Wespen, Hornissen, sehr seltene große Käfer und Schmetterlingsarten aller Art auf einem Fleck zusammen sich besaufen sehen wie hier, schlimmer als die Menschen. 

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Von Ewald Krüger:

"Pinnow, Burzen, Hasenfier, alles ist nicht weit von hier", sprach der Herr in seinem Zorn, "Bin auch gleich in Flederborn. Und dann noch eine kleine Tour, dann bin ich in Ratzebuhr!"

Am 30. Januar 1945 wurden diese genannten Orte als die ersten Alt-Pommerns von den Russen besetzt. Hier verblieb der russische Vormarsch für ca. 4 Wochen.

Onkel Gustav, meines Vaters jüngster Bruder, Jahrgang 1898, hatte nach Vaters Einberufung am 01.08.1914 die Leitung in die Hand genommen und führte unseren Hof bis 1917, als auch er gemustert und eingezogen wurde. Mit ihm verband mich eine innige Herzlichkeit, weil er als halbes Kind noch auf jeden Blödsinn von uns Jungen einging und vieles mitmachte. Er kannte noch den ganzen Dorfreim, der vom Dorfeingang von Haus zu Haus jede Familie unter die Lupe nahm und charakteristisches festhielt in Plattdütsch. Hätte man das doch aufgeschrieben, aber damals wussten nur noch wenige Pinnower davon. Nur ein Teil ist mir davon im Gedächtnis geblieben, er ging etwa so:

Paul wohnt am Enn, Dobberstein schlacht ein Henn, Heine holle Kinnelbeie (Kindstaufe), Redmers Johann wüllt ok jern seihe. Nitz schlacht ein Kalv, Müller nimmt es half. Nötzelmann de hätt nich väl, mögt för de Lüd de Disch un Stöhl. Zanders Louis an de Eck, smitt Hermine vull mit Dreck (Seine Schwester, die ihm den Haushalt machte). Lange hölt nen smalen Disch, Florin hött im See sin Fisch. Retzlaff sitzt am Gävel, schitt Nitze in de Stävel. Bigalke Gustav schwabbelt väl, Wege mahlt fört Dörp dat Mehl. Lemke Herrmann hätt väl Göös (Gänse), Heye schitt jern up sine Meß

Beim allerbesten Willen und Mühen kann ich mich nicht mehr auf nur eine einzige Zeile des alten Restreims besinnen. 

(Anmerkung: Vielleicht kann ein Besucher dieser Seite sich noch an den Rest oder zumendest Teile davon erinnern.) 

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Fortsetzung folgt...

Brücke über die Küddow 1945