Pinnow-Pniewo.de

Lageplan/Skizze von Pinnow mit den Liegenschaften und Namen der Einwohner (kein Anspruch auf Richtigkeit/Vollständigkeit!) Stand vor der Flucht/Vertreibung  Anfang 1945

Geschichte Pinnows und Umgebung (aufgeschrieben von: Vangerow, 1953) Auszüge

Gründung Pinnow 1568, Gründung umliegender Dörfer: Wallachsee 1568, Flederborn 1576, Burzen 1579, Zamborst 1576, Ratzebuhr 1553, Polnisch Jastrow 1568, Jastrow (Pommersch- und Polnisch-Jastrow) 1586, Briesenitz 1578, Hasenfier 1563, Zippnow 1570

Durch die Gründung dieser pommerschen Grenzdörfer wurde eine wehrhafte Mannschaft für dauernd an der Grenze stationiert. Die Belegschaft dieser Grenzschutzdörfer bestand aus den sogenannten "Freien", Bauern und Kossäten, die mit Schieß- und blanken Waffen ausgerüstet waren und die mit zäher Ausdauer und rücksichtslosen Einsatz ihrer Person den Grenzschutz übernahmen, da es galt den eigenen Hof und den mühsam gerodeten Acker gegen die Polen zu verteidigen. Die "Freien" erhielten von dem Grundherren die Schulzen- Mühlen- und Kruglehen und übernahmen die Führung im Dorfe. Bei den Angriffen der Polen übernahmen die adeligen Lehnsmannen die Führung gegen den Feind. 

Infolge dieser Dorfgründungen wurde der Grenzkrieg immer hitziger. Die Polen kamen nicht mehr in kleinen Trupps über die Grenze, sondern griffen mit starken Heerhaufen an, die schwer bewaffnet waren, vernichteten die Gebäude in den neuen Grenzdörfern und zerstörten die Teerbuden, Kohlemeiler und Bienenbäume der Vangerows im Walde Tüliz, fischten ihre Seen aus und raubten das Vieh auf den Weiden. Aus einer Urkunde von 1565 geht hervor, das schon viele Vangerowen ihr Leben bei diesen Kämpfen eingebüßt hatten. Natürlich übten die Pommern Vergeltung durch Einfälle in polnisches Gebiet. Die pommerschen Herzöge und die Amtshauptleute von Neustettin beschwerten sich wegen des entstandenen Schadens bei den Starosten von Deutsch-Krone und Usch und diese wiederum bei den pommerschen Herzögen und Hauptleuten von Neustettin. Hierdurch entstand ein großer Federkrieg, der die Veranlassung gab zu langen Gerichtsverhandlungen, Grenzbesichtigungen und Tatbestandsaufnahmen.

Die Grenzkämpfe im Krajantengebiet hörten erst auf, nachdem durch eine polnisch-pommersche Kommission am 30. August 1588 die Grenzen zwischen dem polnischen Dorf Jastrow und den pommerschen Dörfern Flederborn, Burzen, Pinnow und Zamborst neu festgelegt worden waren. Diese Grenze bildete von 1588 ab auch die Landesgrenze zwischen Pommern (Amt Neustettin) und Polen (Land Deutsch-Krone) und fällt im wesentlichen zusammen mit den heutigen (1939) Grenzen zwischen den Kreisen Neustettin und Deutsch-Krone.

Dorf und Gut Pinnow

1568 beauftragte Herzog Barnim XI den Simon Zirotte im Walde Tüliz am Südende des Pinnow-See ein Dorf anzulegen, dem er den Namen Pinnow gab und mit der Rodung der Feldmark zu beginnen. Zu den ersten Ansiedlern gehörten Peter Schmechel, Karsten Zirotte, Jochen Kortmann und Melcher Lubenow.

Da das neue Dorf nur 800m östlich vom Zamborster-Fluß lag, der die Grenze bildete zwischen Pommern und Polen, suchten die Polen mit allen Mitteln den Aufbau des Dorfes und die Rodung der Feldmark zu verhindern. Sie überfielen laufend mit bewaffneten Haufen die schaffenden Bauern, mißhandelten die Männer und Frauen, raubten das Vieh, die Lebensmittel und Geräte und zerstörten die Häuser. Später, nachdem auf den gerodeten Flächen bestellte Felder entstanden waren, vernichteten die Polen ständig die Feldfrüchte. Trotz diesem Aufbau mit Schrecken, der mit ständiger Lebensgefahr für die Siedler verbunden war, hielt der Schulze mit seinen Bauern durch und vollendete sein Werk. Der Aufbau des Dorfes muß vor 1578 beendet gewesen sein, da berichtet wird, das damals schon eine Kirche aus Holz im Dorf stand. Dem Schulzen Zirotte wurden auf sein Bitten hin wegen "erlittenen Schadens und Lebensgefahr bei Erbauung des Dorfes" außer den üblichen 2 freien Schulzenhufen noch zwei weitere Hufen die er zu "Roderecht" kultiviert hatte, zum Schulzenamt verliehen. Dazu erhielt er die Vergünstigung auf dem Pinnow-See mit dem "kleinen Stocknetz und einer Stafwade" zu fischen.

Pinnow kam nach seinem Aufbau noch nicht zur Ruhe. Am 17. August 1581 fielen bei Sonnenaufgang einige 100 Polen in Pinnow ein, mißhandelten die Einwohner so, das es viele Verwundete gab, raubten ihnen die Lebensmittel und das Saatgut, vernichteten 300 Stück zugehauenes Bauholz, das für den Aufbau von Zamborst bestimmt war und brachen sogar den Opferstock in der Kirche auf und raubten den Inhalt. Dann zogen sie weiter nach Burzen und Flederborn. In Burzen hausten sie noch schlimmer als in Pinnow, da ihnen der dortige Hofmeister Hans Tesmar wiederholt Vieh gepfändet hat, wenn sie auf Pinnowschen und Burzener Gebiet ihr Vieh geweidet hatten. Sie rissen die neuen Gebäude nieder, verwarfen das Heu, vernichteten das Korn und raubten dem Hofmeister seine ganze Habe und tranken mehrere Tonnen Bier aus.

Um den neu gegründeten Dörfern im Walde Tüliz eine Führung und hierdurch mehr Widerstandskraft zu geben gegenüber den Polen, belehnte der Herzog Johann-Friedrich, der 1569 die Regierung von Barnim XI übernommen hatte, am 24. Juni 1582 Wedige v.d. Osten mit den Dörfern Pinnow, Burzen und Hasenfier, als Gegenleistung erhielt er von Wedige v.d. Osten das Haus Ravenstein mit den dazugehörigen Gütern im Kreis Saatzig. 

Zu der Amtszeit (1580-84) des Amtshauptmann Melchior von Dobbersitz waren fortwährende Grenzhändel mit den Polen. Im Jahre 1584 ließen die Polen einen Aufruf zu einem Mannschaftsaufgebot zum Kampfe gegen die pommerschen Grenzdörfer von "allen Kanzeln" verkünden. Der Amtshauptmann v. Dobbersitz traf Gegenmaßnahmen und forderte bei dem Herzog in Stettin Munition und Büchsenmeister an, woraus zu folgern ist, das es damals zum offenen Grenzkrieg kam.  

Diese Grenzübergriffe der Polen nahmen erst ein Ende nachdem am 30. August 1588 durch eine pommersch-polnische Kommission die Grenze zwischen den pommerschen Dörfern Zamborst, Pinnow, Burzen, Flederborn und dem polnischen Dorf Jastrow neu festgelegt worden waren.

1578 stand bereits eine hölzerne Kirche im Blockhausstil zu Pinnow. Aus ihr waren bis zum zweiten Weltkrieg die gemalten Fenster noch vorhanden, die 1596 gestiftet worden waren von den v.d. Osten und anderen vom Adel. Auf den Glastafeln sind dargestellt die Wappen der Stifter und ihrer Gemahlinnen mit Angabe ihrer Namen wie folgt:

-Jakob Kleist zu Zamborst mit Katharina vom Wolde (1584-95 Amtshauptmann zu Neustettin) 

-Günter von der Goltz 1596

-Rüdiger v.d. Osten zu Pinnow und seine Frau Ilse Massow 1596

-Christoph Vanap und Christina Dannel seine Hausfrau

-Franz v. Dewitz, Hauptmann von Neustettin und Belgard, seine Frau Anna Hahn

-Claus Massow und Agnes Münchow seine Hausfrau

-Joachim Massow und Margarethe a.d. Hause Massow seine Hausfrau

-Jesus am Kreuz mit Figuren 

-Joachim Glase Bonnius

-Stromor

- auf der letzten Glastafel ist ein Geistlicher dargestellt, der auf der Kanzel steht und predigt. Darunter steht: H.R. Jochim Lübbeke, Pastor zu Hasenfier und Pinnow

(Anmerkung: Die originalen Glastafeln sind, nachdem sie verschollen waren, im Jahre 2002 restauriert und wieder in der Kirche an Ort und Stelle angebracht worden! ) 

In den Jahren 1586/87 führten die Vangerow den bereits in dem Artikel über Vangerow erwähnten Prozess gegen Wedige v.d. Osten auf Pinnow, da dieser die Nutzung der Beutenheide in den zu Pinnow gehörigen teilen des Waldes Tüliz für sich beanspruchte, obwohl sich die Vangerow bei dem Verkauf des Waldes Tüliz an Herzog Barnim XI im Jahre 1565 die Nutzung der Beutenheide im Walde Tüliz ausdrücklich vorbehalten hatten. In diesem Prozess sagten die Vangerow aus, das ihre Eltern den Wald Tüliz an den Herzog verkauft haben, sich aber die Nutzung der Beutenheide und die Fischereigerechtigkeit in den Seen des Waldgebiets Tüliz vorbehalten haben, das vertragsgemäß vereinbarte Kaufgeld sei ihnen aber nicht ausgezahlt worden. Aus diesem Grunde sei ihnen die Rückgabe des Waldes Tüliz vom Herzog versprochen worden, statt dessen vergabe der Herzog die in dem Walde gegründeten Dörfer an andere Geschlechter, so Pinnow an Wedige v.d. Osten, sie bäten daher um Ersatz für das verlorene Gebiet und um Schutz bezüglich ihrer Rechte auf die Beutenheiden.  Diesen Prozess verloren die Vangerow, da die verordneten Älterleute des Beutnergerichts im Amte Neustettin am 20. Februar 1587 die Entscheidung trafen, das die Vangerow an Wedige v.d. Osten den Honigzins nach Maßgabe geschworener Beutner jährlich zu zahlen haben, da der Herzog den Grund und Boden, auf dem die Beutenbäume stehen, an Wedige v.d. Osten verliehen habe.

In den Jahren 1613/14 wurde das Amt Neustettin in große Aufregung versetzt durch die sogenannten Konföderaten ( Anmerkung: von der Krone Polens angeworbene Söldner im Krieg gegen Russland), die längs der Grenzen des Lauenburger-Bütower- und Neustettiner Amtes Llager bezogen hatten um dort die Auszahlung ihres rückkständigen Soldes abzuwarten. Da diese Söldnerhaufen aus undisziplinierten Gesindel bestanden, war zu erwarten, das sie die pommersche Grenze überschreiten würden um die Grenzdörfer auszuplündern. Diese Erwartung erfüllte sich bald. Im März 1613 erschienen die Konföderaten in hellen Haufen in Zamborst und brandschatzten Jacob Kleist, dann zwangen sie Christoph Heinrich v.d. Osten zu einer Kontribution von seinen Gütern Pinnow, Burzen und Hasenfier, alles unter dem Vorwand, das die Güter Zamborst, Pinnow, Burzen und Hasenfier zur Krone Polens gehörten. Infolge dieser Übergriffe erteilte Herzog Phillipp II am 30.3.1613 dem Amtshauptmann von Neustettin, Peter v. Somnitz, den Befehl die Stände des Amtes zu laden und anzuweisen, das sie sich in Kriegsbereitschaft hielten. Eine Woche später traf auf Befehl des Herzogs der Oberhofmarschall Claus v. Brockhusen in Neustettin ein und musterte am 18.4.1613 in Persanzig die Ritterschaft und die Freien des Amtes. Wohl aufgrund dieser Maßnahme verließen die Konföderaten die besetzten pommerschen Grenzdörfer und zogen sich hinter die polnische Grenze zurück. Im Amte Neustettin nahm man bereits an, das die Gefahr behoben sei, wurde aber bitter enttäuscht, als Anfang Dezember die Nachricht eintraf, das neue Haufen von Konföderaten an den Grenzen erschienen seien und ein Trupp von ihnen bereits Zamborst besetzt hätte.  Da die Konföderaten in Zamborst gewalttätig vorgingen, ergriffen die Zamborster Bauern die Waffen und warfen sie zum Dorfe hinaus wobei 3 Konföderaten erschlagen wurden. Ihre Genossen zogen ab mit der Drohung, das sie diese Tat mit Feuer und Schwert rächen würden. Diese Drohung gab Veranlassung dazu, das im Amte und in der Stadt Neustettin von neuem gerüstet und gemustert wurde. Auf Befehl des Herzogs wurden in der Stadt die Befestigungsgräben entschlämmt und die z.T. zerstörten Stadtwälle neu aufgeworfen. Im Jahre 1614 sandte der Herzog den Büchsenmeister Jürgen Steller nach Neustettin um in den Grenzdörfern die Gewehre zu mustern und die Mannschaft im Schießen auszubilden. Auf Befehl des Rates wurde in der Stadt Neustettin ein strenger Wachtdienst eingerichtet und am 20. Januar 1614 die Bürgerschaft auf Bürgereid zu diesem verpflichtet. Vier Tage später verfügte der Herzog, das Christoph Heinrich v.d. Osten auf Pinnow, Burzen und Hasenfier den Oberbefehl übernehmen sollte über die Ritterschaft und das Landvolk. Am 30. Januar 1614 wurde in Alten-Stettin der Beschluß gefasst, 200 Musketiere und Schützen anzuwerben, um sie in den herzoglichen und adeligen Dörfern im Wald Tüliz zur Unterstützung der dortigen Mannschaften einzusetzen. Unter der Führung des Stadthauptmannes von Stargard, Joachim Riegemann, rückte dieses Aufgebot am 18. Februar 1614 in Neustettin ein und fiel einen Monat lang den Bürgern zur Last. Da sich diese Söldner viele Ausschreitungen in der Stadt zu Schulden haben kommen lassen, griff Hauptmann Riegemann durch und ließ einen der Übeltäter auf dem Marktplatz von Neustettin hängen. Auf Anforderung der Amtshauptleute von Lauenburg und Bütow gab Hauptmann Riegemann 75 Mann an diese ab und rückte mit dem Rest ab in die Grenzdörfer am Walde Tüliz. Am 24. März 1614 befand er sich mit allen Leuten in Ratzebuhr, Anfang Mai in Hasenfier, Pinnow und Zamborst, am 9. Mai lagen seine Leute verteilt in Ratzebuhr, Wallachsee und Flederborn. 

Es kam nicht zu einem Zusammenstoß mit den Konföderaten, da die inzwischen ausgelohnt worden waren und daher ihre Lager an der pommerschen Grenze geräumt hatten. Auf Befehl des Herzogs entließ Hauptmann Riegemann seine Leute am 17. Mai und am 7. Juni 1614 und es traten wieder normale Verhältnisse im Amte Neustettin ein. 

Die Leiden des Amtes Neustettin während des Dreißigjährigen Krieges 1618-48, das Schwedisch-Polnischen-Erbfolgekrieges 1654-60 und des Siebenjährigen Krieges 1756-63 werden in "Das Stammlehen Vangerow" geschildert.

Nach dem Siebenjährigen Krieg wurde seitens der preussischen Regierung Maßnahmen getroffen, um durch Beihilfen und Kultivierung der noch wüstliegenden Flächen die Wirtschaft wieder hoch zu bringen. So wurden auch die "Tiefen-Brüchner" westlich Ratzebuhr, an denen die v.d. Osten z.T. nutzungsberechtigt waren, vom Jahre 1780 an entwässert und in Kultur gebracht. Aufgrund des Teilungsplanes von 1780 erhielten die v.d. Osten für Pinnow eine Zuteilung von 662 preussischen Morgen und für Burzen 282 preussische Morgen. Die Güter Pinnow und Burzen sind von 1582-1913 durchgehend im Besitz der Familie v.d. Osten gewesen. Die letzte Herrin auf Pinnow und Burzen aus dem Geschlecht v.d. Osten war Martha Maria Karoline v.d. Osten, verheiratet 188? mit Ludwig Friedrich Magnus v. Knebel-Doeberitz. Nach ihrem Tod erbte ihre Tochter Elisabeth Helene Maria Karoline Magna v. Knebel-Doeberitz, verheiratet 1921 mit Werner Graf v. Bassewitz-Levetzow, die Güter Pinnow und Burzen und verblieb in deren Besitz bis zum Ende des zweiten Weltkrieges.  

Über ihre Flucht aus Pinnow am 30. Januar 1945 vor dem Einmarsch der Russen in den Kreis Neustettin berichtet sie:

"Über den geplanten Einmarsch von russischen Truppenverbänden in unseren Kreis im Jahre 1945 wurde ich erst in letzter Stunde informiert. Ich wohnte damals allein mit meiner Tochter in Pinnow und gab den Gutsverwaltern von Pinnow und Burzen den Auftrag, sofort den Abmarsch unserer Gutsleute zu organisieren. Fünf Stunden vor der Ankunft der Russen auf meinen Gütern erfolgte unser Abmarsch in 2 Trecks, die zusammen aus ca. 80 bespannten Wagen und insgesamt 450 Hofeleuten aus Pinnow und Burzen bestanden. Der Marsch ging über Hasenfier in Richtung auf die Neumark. In Hasenfier schloss sich uns der Treck der dortigen Gutsleute an. Wir kamen glücklich nach Deutschland. Die bäuerlichen Besitzer in Pinnow und Burzen wollten nicht trecken und wurden daher zum Teil von den Russen in grausamer Weise ermordet. Die Gutshöfe in Pinnow und Burzen sind von den russischen Truppen nicht zerstört worden. Die in den Dörfern verbliebenen Bauernfamilien wurden nach der Übernahme der Güter und Dorfgemeinden durch die polnische Regierung nach Deutschland abgeschoben und ersetzt durch polnische Siedlerfamilien. Die Gutsbetriebe in Pinnow und Burzen werden von der polnischen Regierung weiterbewirtschaftet nach russischem System."

Die deutsche Geschichte Pinnows endet am Abend des 30. Januar 1945....    

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Bewohner Pinnows (von Ewald Krüger)

Es gab das Gut mit seinem Bezirk, dem "Schloß" des Grafen von Bassewitz-Levetzow. Den Bezirk, wo die Gutsarbeiter wohnten, in sogenannten Viertopphäusern, d.h. vier Familien bewohnten ein langes Haus mit eigenem Eingang und Garten. Jede Familie hatte ihre selbstständige Wohnung. Nur die Gutsbeamten wohnten allein (Inspektor, Verwalter, Rechnungsführer, Brenner, Förster).  

Dann der Bauerngemeindebezirk: Hier gab es 4 Kategorien: Größere Bauern, Mittelbauern, Kleinbauern, Büdner und Kossäten.

Die größeren Bauern wohnten mit wenigen Ausnahmen alle auf dem Aus- oder Abbau, Plan sagte man auch dazu. Die kleineren Bauern mit etwa 10-15-30 Morgen wirtschafteten anders. Stets gingen von Ihnen einige regelmäßig aufs Gut zur Arbeit, des Deputats und des Geldes wegen. Damit nicht genug: Sie hatten immer einige Morgen gepachtet.

 Die Büdner hatten meist nur ein paar Morgen, hielten kein Pferd weil es nicht dazu reichte, bewirtschafteten ihre "Klitsche" sehr intensiv, hielten viel Kleinvieh und eine Kuh, aßen aber nie die Butter davon selber, sondern waren am Freitag in aller Herrgottsfrühe auf dem Weg nach Jastrow zum Wochenmarkt mit Eiern, Butter, Geflügel und kauften für den Umsatz gleich ein. Meist bei dem Juden Aaaron, was die anderen Jastrower Kaufleute maßlos ärgerte.

Nun die Kossäten: Das waren die allerkleinsten Leute im Dorf, gerade das, wo das Wohnhaus stand mit Ställchen und etwas Gartenland war ihr eigen. In früherer Zeit, ganz auf die Bauern angewiesen, hatten sie nur eine oder ein paar Ziegen, polnisch Koza, daher der Name. Nach 1920 ging es ihnen besser, um die Landflucht zu bannen, wurde der ganze Komplex links des Briesenitzer Wegs bis zur Gemendebauerngrenze in Parzellen aufgeteilt und verpachtet. Da griffen alle zu und erhielten jeder ca. 30 Morgen, dadurch blieben fast alle im Dorf. 

Die Einwohner Pinnows waren ein vielseitiges Gemisch aus mehreren Gegenden Europas. Hasenfier, Hohenfier, Eichfier, Klöpperfier, Freudenfier im näheren oder weiteren Kreis um Pinnow herum sind rein holländische z.T. auch friesische Neugründungen."Fier" bedeutet auf holländisch "Feld". Hier sind ganze Trecks im 15./16. Jahrhundert gekommen und haben zwischen Sand, Wald, Bruch und Moor gesiedelt. In den meisten Ortschaften mit der Endung "fier" herrschten holländische Familiennamen vor. In Pinnow kommen die Namen Schewe, Haut, Göde, Holländer, Diekert in Frage. Buß, Marohn, Boncis, Frederik sind hugenottischer Herkunft, andere Namen tragen den Charakter niedersächischer Herkunft. Nimz ist eine Verdrehung von Niemec, deutscher Herkunft. Duse muss aus Südtirol stammen, Heymann aus Schottland.

In Kirchenbüchern aus Hasenfier hatte ich als Oberschüler oft herumgeschnüffelt. Ähnliche Namen tauchten bereits in Kirchenbüchern des Kreises Deutsch-Krone seit 1400 und 1500 auf. Das sogenannte Kroner Land ist systematisch sehr früh besiedelt worden. Die damalige Grenze an der Jastrower Chaussee zwischen Pommern und Westpreussen (damals Pomerella) ist seit 950 wahrscheinlich schon Scheide zwischen Polen und dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen gewesen, nur mit dem Umstand, das hier slawische Kleinstämme, aber nie Polen gewohnt haben.

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Flucht und Vertreibung 1945/46:

Am 30.01.1945, 5 Stunden vor Ankunft der Russen in Pinnow, floh der Treck des Gutshauses von Bassewitz-Levetzow mit ca. 450 Einwohnern (auch aus Burzen) über Hasenfier Richtung Neumark/Tempelburg, es waren fast ausschließlich Einwohner der westlichen Seeseite, hauptsächlich Arbeiter und Angestellte des Guts, dieser Treck gelang ohne Kontakt zu den Russen unbehelligt in den Raum Rostock , viele Bauern aus Pinnow (darunter auch unsere Famiie) floh zu spät oder auch garnicht und wurde durch die Russen eingeholt und misshandelt bzw. getötet. Am sog. "Neuen Friedhof" auf der Nordseite des Sees liegt vermutlich ein Massengrab mit den auf der Flucht ermordeten Pinnower Einwohnern (ca. 30 Personen). Diese kamen nicht weit und wurden im Wald Richtung Hasenfier elendig zusammengeschossen.Das Dorf als solches wurde nicht zerstört, nur die sog. "Abbauten" und die Wassermühle ausserhalb Pinnows wurden von den Russen abgebrannt, teilweise wurden die Bewohner ermordet.

Die Einwohner, denen die Flucht nicht gelang, wurden aus ihren Häusern zusammengetrieben und in Jastrow z.T. in der Schule interniert. Für jede Familie gab es höchstens ein Zimmer. Dieses war die "Heimat" bis zur endgültigen Vertreibung im Sommer1946. Viele der Bewohner Pinnows wurden auch morgens von den Russen abgeholt um zu arbeiten, glücklich waren die, die abends wieder bei ihren Familien ankommen durften. Auf dem Pausenhof der Schule in Jastrow sind von Pinnower Bürgern tote Soldaten und Zivilisten in Massengräbern beerdigt worden. Weiterhin sind in den Wäldern rund um Jastrow gefallene Soldaten und Zivilisten von Pinnower Bürgern verscharrt worden. Paul Wege(unser Vater bzw. Großvater) war einer der Pinnower Bürger, die hierzu zwangsverpflichtet worden sind.