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Gefeiert wurde überall, insbesondere auf dem Dorf. Aber auch hier waren die Feste von Ort zu Ort unterschiedlich, in vielen Gegenden gab es aber auch ähnliche Sitten und Gebräuche.

Feste und Bräuche in Pinnow (erzählt von Heinz Wille)

Auf dem Gut wurde das Erntefest groß gefeiert. Es war zugleich als Abschluß für die Schnittermädchen aus Polen gedacht, die jedes Jahr zur Ernte kamen. Gelegentlich blieb auch ein Mädchen da und heiratete einen Deutschen. Herr Nimz, neben Mudrow, hatte auch eine Polin geheiratet.

Auf dem Gut wurde der Speicher leergeräumt, der Fußboden mit viel Kernseife eingerubbelt und gebohnert zum Tanzen mit Kapelle. Bier und Schnaps flossen reichlich. Abends kamen die Dorfbewohner hinzu. Hier wurde auch die Erntekrone aufgehängt, später hing sie bis zur "neuen" im Schloß. Es gab auf dem Gut auch einen Erntewagen mit Erntestroh geschmückt. Vom Eingang der Brennerei zum Gutshof, hintere Ausfahrt raus Richtung Hasenfier und zum Gut zurück wurde gefahren. Die Dorfbewohner feierten "klein" im Saal. "Klein" im Saal bedeutet, das hier nur "Flüssignahrung" zu sich genommen wurde.

Wenn die Gutsarbeiter (die "Mäher") das erste Korn mähten, war es Sitte, von den Angestellten oder dem Gutsverwalter Geld zu fordern.Sie bekamen eine bunte Schleife um den Arm gebunden, sie mussten sich "freikaufen".

Julklapp kannte man in Pinnow nicht, Rosenmontag wurde in Pinnow nicht gefeiert, nur Faschingsdienstag. In der Faschingszeit gingen in Pinnow Männer als Bären verkleidet durch das Dorf. Der "Bär" war mit Haferstoh umwickelt, über den Kopf hatte er einen Sack gebunden. Er wurde von einem "Bärenführer" geführt. Die Bauernjungen verkleideten sich als Schimmel (mit angemalter Pappe) und ritten durchs Dorf. Vor dem Gesicht hatten sie "Larven", damit sie nicht gleich erkannt wurden.  Der Bär klopfte bei den Dorfbewohnern an, nicht alle machten auf. Sie bekamen Schinken, Wurst, Eier oder Geld, das sie später "verfeierten". Man trug eine Kiepe (Holzkorb) mit Deckel für die Gaben mit. Es wurde auch viel Kartoffelschnaps ausgeschenkt. Die Musik wurde mit der Ziehharmonika gemacht. Zum größten Teil bekamen die jungen Leute, die mit dem Schimmel oder dem Bären unterwegs waren, Eier in die Kiepe. Aber was sollten sie mit sovielen Eiern? Einen Teil nahmen sie und machten sich was zu essen daraus. Den größten Teil brachten sie zum Bäckermeister Robert Krüger (Onkel von Heinz Wille). Er war der einzige, der die Eier in seiner Bäckerei brauchte, die anderen Pinnower hatten selber Hühner. Für das Geld wurden u.a. auch die Larven (Masken) gekauft.   

In der Bäckerei, die später verkauft wurde, hat sich Heinz Wille als Kind oft aufgehalten. Er und seine Cousine durften die Schürzkuchen einzuckern, die kaputten durften sie aufessen. Er durfte auch beim Pfannkuchenbacken zu Silvester helfen. Mit einer großen Holzspritze wurde Marmelade in die Kuchen gespritzt. Ein extra Blech wurde mit Mostrich (Senf) gefüllt.

Schwarzsauer wurde von Gänseblut und Gänseklein gekocht. Dazu gab es Mehlklöße und Backpflaumen.

Geräuchert wurde meist selbst. Im Schornstein, der mitten im Haus war, war eine Tür, dort hängte man Schinken und Wurst hinein. Geheizt wurde nur mit Holz und Strauch, man konnte auch von der Sägerei Späne holen.

Die Gutsarbeiter durften ihre Gänse auf die Felder des Gutes treiben, sie mussten dafür aber jede 7. Gans abgeben. Die Mamsell hat sie noch genudelt und geschlachtet.

In den Ferien kamen oft Kinder aus dem Ruhrgebiet ins Dorf. Viele waren katholisch. Herr Wille kann sich daran erinnern, dass in der Schule ein mannshohes Lutherbild hing, die katholischen Mädchen hätten ihm die Augen ausgestochen. Katholisch war etwas Fremdes in Pinnow.

Es gab in Pinnow eine Hilfsorganisation von der Kirche, den Gustav-Adolf-Verein. Herr Wille hat hierfür Spenden gesammelt.

Das Kriegerdenkmal stand an der Strasse vor der Kirche, gegenüber war die Gaststube Hoffmann. Daneben war ein Rondeel und ein Aufmarschweg. Der Glockenturm war zu deutscher Zeit nicht eingezäunt. Das Kriegerdenkmal wurde 1914 von der Familie von Bassewitz gebaut. Der erste Name auf der Tafel war von Bassewitz, der erste Mann der Gräfin, der 1915 gefallen war. Neben Hoffmanns wohnte die Hebamme Zell in dem Haus, das früher Wilhelm Krüger gehörte. Reparaturen an der Kirche wurden immer von von Bassewitz bezahlt.

Die Schule hatte kein Geld für die Schüler. Die Lehrer handelten mit dem Gut Arbeiten aus. Die Schüler mussten Unkraut hacken. Für das erarbeitete Geld wurden Ausflüge nach Ratzebuhr oder Jastrow bezahlt. Auch für das Schulsommerfest hinter dem See Richtung Burzen, hier gab es auch einen Schießstand. In Pinnow wurde die Post von einem Briefträger aus Briesenitz mit dem Fahrrad ausgetragen.  Im Winter kam er zu Fuß.